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So, jetzt bekommt ihr das volle Klischee-Programm. Ohne Witz, es ist mir fast schon peinlich, das auf mehrmaliges Nachfragen von Freunden überhaupt zu erzählen, weil ich das sowas von nicht bin. Hast du die Umgebung aber erst mal, wirst du quasi ins kalte Wasser geschmissen. Hier also ein paar Geschichten aus den letzten Monaten. Meinung sei dahingestellt. Ich fang jetzt einfach mal an.

Zunächst hab ich Andrew, Ben, Greg und Adam kennengelernt. Tolle und lustige Kerle. Der erste ein Filmproduzenz, der zweite ein Gitarren-A-Capella-Fanatiker (wenn ich jetzt Milow höre... das ist total Ben!), Greg (Spaßkanone. Wir haben irgendwann mal auf dem Sunset ein kleines Cabriorennen gegen Andrew veranstaltet. Er hat verloren.) und der Letzte... weiß der Geier, was Adam macht. Ist ja auch wurscht.

Jedenfalls wurden diese vier Jungs oft meine Samstagabend-Ausgeh-Gesellschaft. Haben viele lustige Abende in Hollywood verbracht, ansässig direkt an der Ecke zum Sunset Strip, Straße leicht bergauf, dort, wo „die Gegend“ beginnt. So, dann mal ab dafür:

Lauren Conrad ist die Nachbarin von Andrew. Umwerfend schön, extrem nett und stinkreich. Trotzdem (auch wenn die Hütte 2,2 Mio. gekostet hat) ein bescheidenes mexikanisches Häuschen (googelt das mal), auf das ich verflucht nochmal neidisch bin. Der Witz an der Sache ist, dass Madame nicht mal irgendwas besonders gut kann. Sie war Teil der MTV-Reality The Hills, hat pro Episode (!) 100.000 Öcken kassiert (ich betone nochmals: Pro EPISODE. Um einmal zu fragen „Na Heidi, was hast du letztes Wochenende gemacht?“ Abartig. ) Ich könnte zwanzig Personen mehr erwähnen, die ich entweder beim Joggen, beim KFC-Fettfood-Essen und sogar beim Kotzen gesehen hab, aber das würde hier den Rahmen sprengen. Steckendürre Lindsay Lohan koksend im Chateau Marmont war aber dann doch zuviel – das hat dann endgültig mein (wie lange ist das her?) irgendwann mal existierendes Ideal-Bild von ihr ein für allemal zerstört. (So viel für clean, das Mädel ist ein Wrack und kann einem eher leid tun).

Die Nachtclubs sind exakt so, wie man sich das vorstellt, mit Skandalen, die du am nächsten Tag im Käseblättchen lesen kannst und allem Drum und Dran. Ich erinnere mich an einen Abend im Bardot Nightclub, links von mir am Tisch Joaquin Phoenix, rechts meine Freunde, daneben Alex Orbison (Sohn von Roy Orbison) und Cisco Adler (verlobt mit Kimberly Stewart, Wischmob Rod's Tochter). Und es ist wirklich abartig. Es ist wie ein Ausflug in eine andere Welt. Auch wirklich hübsch und schön anzusehen und auch interessant für eine Weile, es macht auch Spaß, das alles einfach mal geschehen zu lassen aund aufzusagen, aber ich frage mich doch manchmal, wie viele von den Leuten, die sich 24 Stunden am Tag über perfektes Aussehen und materiellem Status profilieren, wirklich glücklich sind. Ich würde durchdrehen vor Druck und Stress, wenn ich hier leben würde.

Bei Burger King – es war Oscar-Night. Wir am Essen, am Nachbartisch Ed-Hardy-Boss Christian Audigier. Draußen vor dem Laden seine 800,000 Maybach-Karre. Ihr glaubt gar nicht, wie gern ich dem Herrn meinen Whopper ins Gesicht geklatscht hätte, dafür, dass er ganz Europa mit seinen vollgekotzten Shirts (so gesehen wäre der Burger drauf eh nicht aufgefallen) verpestet, die da drüben jeder Vollpfosten trägt.

Und ja, wir waren bei den Oscars. Es gab Pressetickets, die zumindest Zugang zum Fotograben am roten Teppich gewährten und auch ein Papierdings für die Vanity-Fair-Party hinterher. Großes Kino. Mit Muse live und haufenweise Zeug umsonst. Das war dann schon ein kleines Highlight. :-)

Dann gab's noch die Houseparty in den Hügeln. Private Houseparty. So so. Ben war eingeladen, also hat er die ganze Bagage mitgeschleppt und wir sind die Serpentinen im Zickzack hoch (langsam fahren ist angesagt, sonst dreht's einen irgendwann und das Ganze wird etwas gefährlich. Besser ohne Promille fahren hier.)

Hausbesitzer und Mr. Partymensch himself war Kevin Federline. K-Fat, speckiger Mr. Nobody, der irgendwann mal eine wohlbekannte Bubblegum-Pop-Sängerin geheiratet und auch wieder verlassen hat. Und. Es. War. So. Lächerlich.

Das Haus war die typische MTV-Cribs-Hütte, vollgestopft mit aller möglichem Blingbling und Ausblick über die ganze Stadt (wo die Kohle herkommt, muss hier nicht extra erwähnt werden), aber das Schärfste ist ja, dass dieser Drecksack ernsthaft nichts macht. Gar nichts. Er ist nett und höflich, aber das war's auch schon. Keine Arbeit, kassiert noch von der Scheidung und feiert und hat Spaß. Das ist Hollywood. Und es gibt Tausende von solchen Leuten hier, die Stadt stinkt vor Geld.

Noch ein lustiger Zwischenfall auf selbiger Party: Nette Mädels, die ich dort getroffen hab (dürr³, bisschen Smalltalk auf der Terrasse, ich bekomm Hunger, stiere auf das Buffet drin. Mädels ebenso. Ich: „Gehen wir rein und essen was?“

Ich wurde angeschaut, als hätte ich den Präsidenten gelyncht. Und dann die Frage des Jahrtausends (festhalten jetzt!): „Du isst?“ Meine Nerven gingen ins Nirvana, ich musste mich so zusammenreißen, sonst wär ich vor Lachen gestorben. „WHAT?“
„ISST du? Ich nicht. Ich nehm nur Flüssiges zu mir. Da drinnen sind nur Kohlenhydrate. Und ich darf nicht zunehmen, sonst verlier ich meinen Job und die ersetzen mich.“

Ja, Herrgott nochmal, lass die stehen und geh rein. So stand ich 5 Minuten später am Buffet, futterte Sushi (=> morgen bin ich fett). Scheint so, als wär ich nicht unbedingt dafür gemacht, ich bin noch ein bisschen weiblich. Nochmal: Das ist Hollywood. Es ist so irre und unreal, all die bekannten Klischees sind so schamlos wahr, dass man es kaum glauben kann, aber : Wo sonst in der Welt, wenn nicht hier?

Was mich wirklich fasziniert ist, wie nah die urbane, normale Welt an die „andere“ Welt anknüpft. Stinknormaler Supermarkt, zehn Meter weiter feiert Jay-Z seinen Geburtstag für ein paar Millionen. Du siehst mehrmals am Tag eine mexikanische Immigrantin und Mutter, die versucht, ihre drei Kinder mit genug Essen durch den Tag zu bringen – fahr die Hügel nur eine Minute hoch und du siehst, wo Paris Hilton ihre drei Köche stehen hat. Leben ist unfair, nicht wahr.

Und all die geborenen, nativen Leute aus Los Angeles, sie sind all das so gewohnt, daran gewohnt, im Zentrum des Geschehens zu leben, gewohnt, dass all die Filme, die sie sehen und die Musik, die sie hören, direkt in der Nachbarschaft produziert wurden, dort, wo die ganze Welt hinschaut. Aber es gibt so viel hinter der ganzen Glitzerfassade, das man verdammt nochmal nicht mal auf den ganzen Paparazzi-Bildern sieht. Wird man erstmal in die Gegend reingeworfen, erkennt man, wie schön, aber auch wie beängstigend diese Riesenstadt ist.

Das Leben dort verändert einen, das bestreite ich gar nicht. Je mehr man sich in obig genannter Ecke aufhält, desto mehr setzt man sich selbst irgendwann unter Druck. Ich hab so gut es ging versucht, am Wochenende am Strand, in der Natur, in Napa Valley oder außerhalb zu sein, um Abstand zu haben. Wirklich, ich liebe alles an Los Angeles, ich wollte mein Leben lang mal eine Weile hier verbringen, aber ich würde nie hier leben wollen – zumindest nicht in dieser Ecke der Stadt. Warum gehen so viele kaputt hier? Warum wohnt Johnny Depp längst in Frankreich, zieht seine Kinder dort auf und hat das hier hinter sich gelassen? Entweder du passt dich den Regeln an, die mit keiner anderen Stadt vergleichbar sind, dem Ideal, dass dir die Stadt vorgibt und bekommst Respekt und Erfolg für etwas, dass du nicht bist, wie etwa 90% der Einwohner in bestimmten Bezirken – oder du fliegst mit Arschtritt raus oder fängst gleich ganz woanders an und lässt das alles hinter dir.

Aber genau das ist doch auch, was den irgendwie süchtig machenden Zauber der Stadt ausmacht. Wenn du oben am Mulholland Drive stehst und die Lichter in den Hügeln siehst, die Stadt unter dir, vergisst du all das und siehst nur noch die Schönheit. Die Linie zwischen den zwei Welten ist so verschwindend dünn, dass man fast nicht mehr vor der anderen Seite fliehen kann, hat man diese Linie erstmal überschritten. So wunderschön, aber so gefährlich.


Michael Stipe hat einmal einen Songtext geschrieben, den ich nie verstanden hatte.


That's sugar cane, that tasted good

That's cinnamon, that's Hollywood

Come on, come on - no one can see you cry.


...jetzt schon.

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